· 7 Min. Lesezeit

Pflanzen vor Frost schützen: was abdecken, womit und wann

Der erste Bodenfrost kann drei Wochen früher kommen als erwartet — und er entscheidet, ob die Saison mit einer Ernte endet oder mit schwarz gewordenem Gemüse. Winterschutz heißt dabei nicht, alles einzupacken, sondern zu wissen, was ihn wirklich braucht.

Pflanzen tötet meist nicht der Frost selbst, sondern die Kombination aus gefrorenem Boden und Sonne: Der oberirdische Teil verdunstet Wasser, das die Wurzeln aus der gefrorenen Erde nicht nachliefern können, und die Pflanze vertrocknet. Deshalb ist bei den meisten Stauden und Gehölzen der Schutz von Wurzeln und Basis wichtiger als der der Blätter.

Was Schutz braucht und was nicht

GruppeSchutzWie
Winterhartes Gemüse (Grünkohl, Feldsalat, Spinat)nicht nötighöchstens leichtes Vlies für längere Ernte
Letztes Sommergemüse (Tomaten, Paprika)nur kurzfristigVlies über Nacht, bringt 2–3 Wochen mehr
Frisch gepflanzte Gehölzeja, erste 2 WinterWurzelbereich mulchen, Stamm umwickeln
RosenjaVeredelungsstelle 20 cm anhäufeln
Empfindliche Stauden (Fuchsie, Hortensie)jaMulch plus Vlies über den Trieben
Feige, Granatapfelja, gründlichin Vlies wickeln, Wurzeln stark mulchen
Kübelpflanzenimmerdas Gefäß dämmen, nicht nur die Pflanze
Werbung

Vlies ja, Folie nein

Das ist der häufigste und teuerste Fehler. Folie atmet nicht — darunter schlägt sich Feuchtigkeit nieder, die Pflanze kocht an milden Tagen, und im Frost hüllt sie eine Eisschicht ein. Wintervlies lässt Luft und Wasserdampf durch und hält trotzdem einige Grad. Alternativen: Jute, Schilfmatten, Fichtenreisig.

Reisig hat den zusätzlichen Vorteil, dass es keine Feuchtigkeit staut und sich im Frühjahr leicht entfernen lässt — und die Pflanze darunter fault nicht, selbst wenn Sie es eine Woche zu spät abnehmen.

Kübelpflanzen sind am stärksten gefährdet

Im Beet schützt die umgebende Erde die Wurzeln, im Topf sind sie dem Frost von allen Seiten ausgesetzt und frieren um viele Grad tiefer durch. Deshalb:

  • Das Gefäß mit Luftpolsterfolie, Jute oder einer alten Decke umwickeln — hier stört Folie außen am wenigsten, weil sie den Wurzelballen dämmt und nicht die Pflanze.
  • Auf Styropor oder Holz stellen, nie direkt auf Pflaster — die Kälte von unten ist am schlimmsten.
  • Die Kübel an die Hauswand rücken, idealerweise nach Süden oder Osten, wo sie im Windschatten stehen.
  • Im Winter gelegentlich gießen — Austrocknen im Gefäß tötet mehr Kübelpflanzen als der Frost selbst.

Wann der Schutz angebracht und wann er entfernt wird

Mit dem Anbringen keine Eile. Pflanzen brauchen eine allmähliche Abkühlung, um überhaupt abzuhärten; wer Mitte Oktober einpackt, bekommt eine weiche Pflanze, die im Dezember stärker leidet als eine ungeschützte. Der richtige Zeitpunkt liegt nach einigen leichten Frösten, meist im November.

Mit dem Entfernen dagegen ruhig eilen. Sobald im Frühjahr die Dauerfröste vorbei sind, die Hülle abnehmen — darunter wird es schnell warm, die Pflanze treibt aus, und der erste Spätfrost trifft sie im empfindlichsten Zustand. Den Mulch vom Wurzelhals wegziehen, damit die Basis abtrocknen kann.

Häufige Fragen

Wann kommt der erste Frost?

In den meisten Binnenlagen zwischen Mitte September und Mitte Oktober, in Höhenlagen und Frostmulden auch früher. Entscheidend sind nicht die Durchschnittswerte, sondern eine klare, windstille Nacht — dann sinkt die bodennahe Temperatur am schnellsten und am tiefsten.

Kann ich Pflanzen mit Folie abdecken?

Über Nacht als Notlösung gegen den ersten Frost ja, als Winterschutz nein. Folie atmet nicht, darunter kondensiert Feuchtigkeit, und die Pflanze kocht entweder oder wird von Eis umschlossen. Für den Winter Vlies, Jute oder Reisig verwenden.

Muss ich auch winterhartes Gemüse schützen?

Grünkohl, Feldsalat, Spinat und Porree brauchen keinen Schutz — sie vertragen Frost, und manche werden dadurch sogar süßer. Leichtes Vlies lohnt nur, wenn Sie auch bei stärkerem Frost ernten wollen, weil die Blätter dann zugänglich und ungefroren bleiben.

Werbung